Zeitzeugen-Interview mit Miriam Bruderman

Am 17. September 2019 haben wir als Kursteilnehmer des Projektfachkurses Antisemitismus die Europaschule in Rövershagen besucht. Wir wollten die Möglichkeit nutzen, die vorher schon im Unterricht vorgestellte Miriam Bruderman, eine 89-jährige jüdische Zeitzeugin, kennenzulernen. Am Ende des Zweiten Weltkrieges versteckte sich Miriam Bruderman auf einem Bauernhof in dem Dorf Pustow, 15 km südlich von Greifswald. Die Familie, die sie damals bei sich aufnahm, wurde 2016 von der Regierung des Staates Israel nachträglich als „Gerechte unter den Völkern“ in einer großen Feierstunde in der Aula des Jahngymnasiums geehrt.

Unser Tag startete um 7.10 Uhr morgens am Greifswalder Hauptbahnhof. Geplant war es, um 9.30 Uhr am Zeitzeugenbericht von Miriam Bruderman teilzunehmen. Jedoch gab es einige Schwierigkeiten mit der Zugverbindung und gemeinsam mit allen anderen Fahrgästen wurde unser Kurs spontan in Ribnitz-Damgarten-Ost an die frische Luft entlassen. Dort froren wir dann eine Stunde bei Kälte und Regen, bis endlich unser Taxi kam.

Nachdem wir in den gut gefüllten Raum der Schule in Rövershagen platzten, konnten wir uns endlich auf die Erzählungen und Berichte von Miriam Bruderman einlassen. Frau Bruderman erzählte von ihrer Kindheit und Jugend in der Nazizeit. Schon im Kindesalter, als sie zusammen mit ihrer Schwester von deutschen Mitschülern mit Steinen beworfen wurde, merkte sie, dass sie anders war. Während des Krieges, als die Judenverfolgung in Deutschland immer bedrohlicher geworden war, versteckte sie ihr Vater bei verschiedenen „rein deutschen“ Familien. Unter falschem Namen lebte Miriam zuerst in einem Dorf bei Berlin, in der Familie eines SS-Mannes, half dort im Haus und arbeitete im Schweinestall. Als die Angriffe der Alliierten auf Berlin immer unerträglicher wurden, wurde Miriam schließlich als Hausmädchen auf einen Gutshof nach Pustow geschickt. Dort erlebte sie das Kriegsende und die russische Besatzung. Und sie fand ihre Eltern wieder, die ebenfalls überlebt hatten. Gemeinsam wanderten sie 1947 nach Palästina aus. Dort lernte Miriam ihren späteren Ehemann kennen, gründete mit ihm eine Familie und lebt mit ihm heute noch in der Nähe von Tel Aviv. Auch zu dieser Lesung hat er sie nach Deutschland begleitet. Besonders beeindruckend war für uns auch seine Geschichte. Seine Mutter und Schwester mussten unter schlechten Bedingungen im Konzentrationslager arbeiten und wurden am Ende ermordet, da sie von den Nationalsozialisten als nicht mehr arbeitsfähig angesehen wurden.

Am Ende der Veranstaltung gab Miriam Bruderman allen Zuhörern die Verantwortung mit, über ihr persönliches Handeln nachzudenken, sodass so etwas wie der Mord an den Juden nie wieder passiert. „Passt auf!“ Auch bekam jeder von uns noch eine Ausgabe ihres Buches „Zwischen Dornen und Blüten“, in welches sie auch noch eine kleine Widmung schrieb. Man hatte also auch nochmal die Möglichkeit persönlich mit Miriam Brudermann zu sprechen, was wirklich toll war, da sie so eine liebe und herzliche Frau ist.

Projektfachkurs Antisemitismus Kl. 11