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Mein Frankreichaustausch in Niort/La Rochelle

Als ich im Flugzeug nach Frankreich saß, war ich wirklich so aufgeregt wie noch nie. Auch wenn ich öfter schon von meiner Familie, meinen Freunden und meinem Zuhause weggewesen war, hatte ich etwas Bange vor dem Austausch. Zugleich verspürte ich ein unglaubliches Gefühl, dass endlich ein kleiner Traum von mir in Erfüllung gehen würde. Frankreich hatte mich schon sehr lange interessiert und ich war unglaublich froh, bald das Land und die Kultur selbst zu erleben. Die ersten Tage verliefen für mich überraschend gut, ich wurde sehr lieb aufgenommen und die Eltern meiner Austauschschülerin waren mir gleich sehr sympathisch. Ein paar Tage nach meiner Ankunft in Frankreich besuchte ich zum ersten Mal das Internat in La Rochelle. Ich teilte mir ein Zimmer mit zwei anderen sehr netten Mädchen. Auch in meiner neuen Klasse waren die Schüler nett und sprachen mit mir, aber meistens, nachdem man auf sie zuging. Am Anfang musste ich mich überwinden neue Leute anzusprechen, profitierte aber jedes Mal sehr davon. Am meisten Spaß machte es mir, mich mit nur einer Person zu unterhalten, um mich sprachlich auf sie konzentrieren zu können. In einer größeren Gruppe fiel es mir etwas schwer, alles Gesagte zu verstehen und bei den Gesprächsthemen mitzureden. Auch im Schulunterricht, der teilweise bis abends reichte, verstand ich zum Ende hin auf jeden Fall viel, aber nie alles. Ich schrieb mir Wörter, von denen ich die Bedeutung nicht wusste, auf und/oder schaute sie in meinem Wörterbuch nach.

In meiner Freizeit hörte ich mehr französische Musik als in Deutschland, las und sang auf Französisch. Vor allem das Lesen half mir, schneller Kontexte zu verstehen und Satzstrukturen wiederzuerkennen. Da mein oberstes Ziel war, so viel französisch wie möglich zu sprechen, suchte ich jederzeit den Kontakt mit Franzosen. Ich verabredete mich nach der Schule, wurde aber auch manchmal versetzt, da die Schule in Frankreich für die Schüler sehr wichtig und zeitintensiv ist. Das war teilweise sehr frustrierend und demotivierend. Mit den Leuten aus meiner Klasse kam ich allgemein gut zurecht. Deswegen hatte ich mehr Kontakt mit vielen Leuten, aber nie mit ein oder zwei Personen lange Gespräche etc.. Das fand ich etwas schade.

Ich hatte um mich herum weitere deutsche Austauschschüler, was mich teilweise nervte. Trotzdem fokussierte ich mich nur auf Franzosen und versuchte die deutsche Sprache möglichst zu vermeiden. Am Wochenende erzählte ich von der Woche und meinem Alltag. Mein Gastvater war immer sehr interessiert und redete viel mit mir. Vor allem als wir eine Woche in den Ferien in Paris waren, erklärte er mir sehr viel über Kultur und Kunst und ich fragte oft nach. Ich merkte sehr schnell, dass man mit einer freundlichen Art vieles zurückbekam. Mit der Mutter dagegen und meiner Austauschschülerin verstand ich mich etwas weniger gut. Jedoch war mir schon während ihres Aufenthaltes in meiner Familie bewusst, dass keine große Freundschaft entstehen würde. Wir sind sehr verschieden und ich fand ihr Verhalten manchmal nicht nachvollziehbar. Davon war ich manchmal etwas abgelenkt und fast froh wieder Anfang der Woche zurück ins Internat zu kommen. Ich hatte auch gelegentlich einen kleinen Tiefpunkt, da ich mich nicht mit meiner Austauschschülerin ganz wohl fühlte. Und doch lernte ich an den Wochenenden neue Leute kennen, meistens Freunde meiner Gastfamilie. Drei Dinge gab es dabei immer: Tolles Essen und Champagner oder Rotwein, viele Witze( leider auch welche die ich nicht verstand) ,lange Diskussionen über Gesprächsthemen wie Politik und Schule. Was mir sehr gefiel war ihr Interesse für Kunst. Ich konnte zwar nicht alles verstehen, fand es aber trotzdem sehr interessant. Eine Sache die mich noch inspirierte war der Style der Jugendlichen in Frankreich. Ich finde Franzosen kleiden sich viel authentischer. Eine weitere schöne Sache war definitiv das Essen. Ich denke ich habe noch nie in drei Monaten so viel leckeres Essen probiert, am liebsten mochte ich Galletes, Crepe und Pain au Chocolats. Die Tatsache, dass die Familie, das Essen und Kommunikation so viel Wichtigkeit in Frankreich findet, empfand ich als sehr besonders.

Mein Aufenthaltshighlight war dann, eine Woche in Paris sein zu dürfen. Ich sah sehr viel, sammelte neue Inspirationen und genoss die Atmosphäre. Meine Gastfamilie zeigte mir viele schöne Orte, die mir bis jetzt in Erinnerung bleiben. Die Zeit verging doch wie im Flug, wie eigentlich die ganzen drei Monate.

Ehrlich gesagt, war ich nach dem Aufenthalt meiner Austauschschülerin in Deutschland nicht ganz überzeugt wegzugehen, bereue es aber jetzt kein bisschen. Es war eine unvergessliche Zeit, aus der ich sehr viel für mich persönlich als auch sprachlich mitnehme. Ich denke, ich habe mich sprachlich verbessert, verstehe und spreche besser beziehungsweise schneller, aber nicht perfekt. Manchmal dachte ich mir, jetzt wäre es schön, besser die Sprache beherrschen zu können. Und genau das ist es, was mich antreibt weiter Französisch zu lernen, ich möchte besser werden und zudem liebe ich diese Sprache zu sehr, um das Gelernte  nicht weiter ausbauen zu wollen.

In Zukunft kann ich jedem raten, sich nicht zu viel Druck zu machen, immer freundlich und dankbar- auch wenn es nur kleine Dinge sind- zu sein, nicht zu viele Erwartungen zu haben, auch nicht an sich selber, sich selber zu motivieren, wenn mal etwas nicht so läuft wie man es erwartet hatte und seine Sprachfehler nicht zu ernst zu nehmen. In Paris lernte ich einen Mann kennen der mir sagte, nur wenn du Fehler machst, lernst du eine Sprache richtig. Es ist zwar oft nicht einfach, aber es lohnt sich über seinen Schatten zu springen. Und damit hat er Recht. Absolument.

Leni Holzmann